Die positive Entwicklung der italienischen Wirtschaft aufgrund veränderter makroökonomischer Rahmenbedingungen reflektiert sich zunehmend auch auf dem Kapitalmarkt und wird von Investoren wahrgenommen. Mit Blick auf die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen fällt auf, dass diese aktuell bei weniger als 1,5 Prozentpunkten und somit unter dem historischen Durchschnitt der letzten 10 Jahre liegen. Dies trägt in der Konsequenz zu günstigeren Finanzierungskonditionen für italienische Unternehmen bei.

Beim Blick auf die Aktivitäten im Private Debt-Markt zeigt sich, dass Italien in den europäischen Private Debt-Portfolios weiterhin im Vergleich zum Anteil Italiens am BIP unterrepräsentiert ist. Auch das sich bereits abzeichnende deutlich schnellere Marktwachstum Italiens im Gegensatz zum gesamten europäischen Private Debt-Markt (EU inkl. UK) sowie den traditionell großen Private Debt-Märkten UK und Frankreich fällt auf. Dies gepaart mit einem aufgeräumten italienischen Bankensystem sowie der beginnenden Disintermediation trägt zu einem verbesserten Investmentumfeld für alternative Kreditgeber wie Private Debt-Fonds bei.

Wirtschaftserholung in Italien:

Die Wirtschaft in den südeuropäischen Ländern wie Italien scheint sich schneller zu erholen als in Nordeuropa. Auch für dieses Jahr wird erwartet, dass die südeuropäischen Länder aufgrund des weiterhin soliden Wachstums eine im europäischen Kontext überdurchschnittliche Wirtschaftsleistung erbringen werden.

Dies sieht insbesondere in Deutschland und anderen nordeuropäischen Ländern wie Österreich oder den Niederlanden derzeit anders aus. Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass Italien, Spanien, Portugal und Griechenland zusammen das Bruttoinlandsprodukt innerhalb von sechs Jahren um 200 Mrd. € steigern konnten, während Deutschland im gleichen Zeitraum nur ein BIP-Wachstum von 85 Mrd. € vorzuweisen hatte, wie eine Analyse der Capital Economics für die Financial Times zeigt.

Empfänger von EU-Geldern:

Pandemiebedingte Beschränkungen im Tourismus haben v. a. die südeuropäischen Länder in den vergangenen Jahren stark beeinträchtigt. Umso mehr hilft diesen Ländern nun die Aufhebung der Beschränkungen sowie eine geringere Abhängigkeit von billigem russischen Gas, wohingegen in Nordeuropa ein ökonomischer Abschwung im verarbeitenden Gewerbe aufgrund höherer Energiekosten möglich erscheint. Zudem profitieren Länder wie Italien und Griechenland stark von staatlichen Investitionen durch eine höhere Inanspruchnahme von EZB-Geldern. Hier spielt auch der EU-Konjunkturfonds mit einem Volumen von 800 Mrd. € eine Rolle, dessen Mix aus Zuschüssen und günstigen Krediten im Gegenzug für wachstumsfördernde Strukturreformen v. a. den südeuropäischen Ländern zugutekommt. Italien und Spanien sind hier die größten Empfänger.

Aufholung in der Wettbewerbsfähigkeit:

Aufgrund des raschen Anstiegs der Lohnkosten in den letzten vier Jahren büßten sowohl die Niederlande und Österreich, als auch Frankreich und Belgien an Wettbewerbsfähigkeit bei den Arbeitskosten ein. Italien, Spanien, Griechenland und Irland haben im gleichen Zeitraum ihre Wettbewerbsfähigkeit aufgrund von Produktivitätssteigerungen verbessern können. In Deutschland stagnierte die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitskräfte.

Niedrige Finanzierungskosten:

Die positive Entwicklung der italienischen Wirtschaft reflektiert sich ebenfalls auf dem Kapitalmarkt und wird von Investoren wahrgenommen. Mit Blick auf die Anleihemärkte zum Beispiel zeichnet sich aktuell für Italien ein vielversprechendes Bild ab. Der Spread-Unterschied zwischen zehnjährigen deutschen und italienischen Staatsanleihen, welcher die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen abbildet, liegt aktuell bei weniger als 1,5 Prozentpunkten und somit unter dem historischen Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Neben der italienischen Regierung profitieren auch italienische Unternehmen, deren Finanzierungskosten aus dem risikolosen Zins und einem Risikoaufschlag bestehen, von günstigeren Finanzierungskonditionen.

Chancen im Private Debt-Markt:

Ausgehend von den zuvor dargestellten veränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen fällt beim Blick auf die Aktivitäten im Private Debt-Markt auf, dass Italien in den europäischen Private Debt-Portfolios weiterhin unterrepräsentiert ist. Der Anteil Italiens am europäischen Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2022 8,4%, während der Anteil von Italien in den europäischen Private Debt-Portfolios lediglich bei 2,1% lag.
 

Obwohl der italienische Private Debt-Markt im Segment Direct Lending & Mezzanine/Subordinated im Jahr 2020 gegenüber dem gesamten europäischen Private Debt-Markt (EU inkl. UK) und den traditionell großen Private Debt-Märkten UK und Frankreich leicht aufholen konnte, verzeichnete Italien in den Jahren 2021 und 2022 nur ein niedriges einstelliges Wachstum. Der Grund liegt hauptsächlich darin, dass das italienische Bankensystem stark fragmentiert und sehr auf den Abbau von NPL (NonPerforming Loans) fokussiert war.

Für den europäischen Private Debt-Markt erwartet Preqin in den kommenden 5 Jahren fast eine Verdopplung der Assets under Management von etwa 449 Mrd. $ im Jahr 2023 auf etwa 861 Mrd. $ im Jahr 2028. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2023 zeigte sich mit Blick auf den italienischen Private Debt-Markt ein anderes Bild als in den Jahren 2021 und 2022. Italien verzeichnete ein Marktwachstum bei den Assets under Management im Segment Direct Lending & Mezzanine/ Subordinated von knapp 63%. Somit scheinen hier bereits die veränderten Rahmenbedingungen im italienischen Bankensystem zu greifen (fortgeschrittener Abbau von NPL sowie eine beginnende Disintermediation, die es v. a. alternativen Kreditgebern wie Private Debt-Fonds ermöglicht, Kredite ohne die Einbeziehung von Kreditinstituten abzuschließen). Im Ergebnis verzeichnete der italienische Private Debt-Markt ein deutlich schnelleres Marktwachstum als der europäische Private Debt-Markt (EU inkl. UK) und die traditionell großen Private Debt-Märkte UK und Frankreich. Bei der aktuell niedrigen Gewichtung von italienischen Schuldnern in europäischen Private DebtPortfolios könnte diese Entwicklung helfen, Portfolios zukünftig breiter und besser diversifiziert aufzustellen.

Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass auf der einen Seite veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen wie die wirtschaftliche Erholung in Italien zu einem verbesserten Investmentumfeld beitragen. Auf der anderen Seite führen die Unterrepräsentation von Italien in europäischen Private Debt-Portfolios im Vergleich zum BIP, das erwartete und sich bereits abzeichnende deutlich schnellere Marktwachstum Italiens, ein aufgeräumtes italienisches Bankensystem sowie die beginnende Disintermediation zu Vorteilen für alternative Kreditgeber wie Private Debt-Fonds.

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