Christian Gombert managt den offensiven Mischfonds H & A Dynamik Plus und überzeugt durch seine gezielte Titelauswahl. In unserem Interview erklärt er anhand von Unternehmensbeispielen seinen Weg zum Erfolg.

Herzlichen Glückwunsch! Platz 1 von 193 bei citywire im 1-Jahres Gesamtertrag – Kategorie Mischfonds dynamisch! „Vom Jäger zum Gejagten?“ Oder wie bewerten Sie für sich diesen Erfolg?

Das hat mich natürlich gefreut. Das ist das i-Tüpfelchen für ein wirklich starkes Aktienjahr. Dabei fußte der Erfolg von Anfang an auf der sehr guten Aktienselektion. Wir haben auf strukturelles Wachstum gesetzt und das vor allem in Qualitätswerten. Märkte wie Kanada und Australien, die bis dato expansive Frühindikatoren zeigen, mögen wir. Wir haben in der ersten Hälfte des Jahres Frankreich übergewichtet und Deutschland untergewichtet. In 2019 wurde Vieles richtig gemacht. Allerdings ist ein Jahr noch kein wirklich langer Zeitraum, sodass das Ergebnis Ansporn für die Zukunft sein muss, mit Fleiß, Geduld, Analysen und einer gewissen Art von Risikoaversion den eingeschlagenen Pfad weiterzugehen.

Das Stichwort „Risikoaversion“ greife ich gerne auf, denn zunehmend werden allgemein die „Moll-Töne“ an den Kapitalmärkten immer lauter. Brexit und Handelsstreit sind nur einige der Prominenten Schlagzeilen. Gerade für Mischfonds wie Ihren H & A Dynamik Plus kein leichtes Umfeld. Wie haben Sie sich positioniert und wie sind Ihre Erwartungen für die Zukunft?

Es ist nicht verwunderlich, dass nach einem so guten Jahr die Risikoaversion der Investoren steigt. Auch das verschlechterte makroökonomische Bild gibt Anlass zu einigen Sorgenfalten. Umgekehrt sind im aktuellen Zinsumfeld Aktien attraktiv bewertet. Daher präferieren wir weiterhin Qualitätswerte. Ein typisches Beispiel ist Visa. Das Unternehmen steigert den Umsatz um rund 10% jedes Jahr. Treiber sind die Zunahme des bargeldlosen Zahlens durch E-Commerce und Life-Style-Trends. Durch hohe Skaleneffekte und Aktienrückkäufe liegt das Gewinnwachstum bei über 15% p.a. Wir gehen davon aus, dass diese Wachstumsraten auch in naher Zukunft Bestand haben werden. Damit erscheinen strukturell wachsende Firmen wie Visa, UnitedHealth, Alibaba, Alphabet auf Basis der PEG-Ratios (KGV im Verhältnis zur Wachstumsrate) nicht überbewertet. Was wir allerdings in 2020 weiter meiden werden, sind vermeintlich billige Aktien mit negativem Strukturbruch und niedrigen Wachstumsraten. In diesem Zusammenhang sind die europäischen Banken, die Automobilunternehmen und die Einzelhändler mit Vollsortiment zu nennen. Die politische Unsicherheit um Brexit, Südeuropa, den kommenden US-Wahlkampf und globale Handelsstreitigkeiten, verstärkt durch die hohe Verschuldung in einigen Ländern, werden wahrscheinlich auch 2020 ein Thema sein. Auch die aufkommenden sozialen Proteste sei es wegen Lebenshaltungspreisen (Chile, Libanon), wegen dem politischen Status-Quo (Irak, Iran, Hongkong) oder wegen des Auseinanderdriftens von Arm und Reich (Frankreich), sehen wir mit Sorgen. Als Absicherung gegen diese Risiken haben wir unser Goldminenanteil auf ca. 4% des Fonds erhöht. Des Weiteren kaufen wir Unternehmen aus Ländern mit charismatischer politischer Führung und Reformbereitschaft (wie Australien und Kanada).

Ihr Portfolio besteht aus Aktien und Anleihen. Wie ist Ihre Sichtweise auf die pauschale Aussage „Aktien sind zu hoch bewertet und mit Anleihen ist kein Geld zu verdienen?“

Der pauschalen Aussage Aktien seien teuer, stimmen wir so nicht zu. So lange wir weiterhin strukturelles Wachstum sehen, sind einige der Werte sogar eher günstig. Ein Wert, der wahrscheinlich viele überraschen wird, der für uns auf der Einzelwert-Betrachtung (Sum-of-the-Parts-Bewertung) sogar günstig erscheint, ist das US-Unternehmen Alphabet. Die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 900 Mrd. USD. lässt sich wie folgt zerlegen: Die beiden meistbesuchten Internetseiten Google Search und Youtube generieren aktuell einen Nettogewinn von rund 30 Mrd. USD. Setzt man hierauf ein Markt-KGV von 16x, liegt der Wert der beiden Seiten bei 480 Mrd. USD, hinzu kommt die Kasseposition von 120 Mrd. USD. Die verbleibenden 300 Mrd. USD würden sich auf folgende Plattformen (mit mehr als 1 Mrd. Nutzer) aufteilen: Der Internetbrowser Chrome, das Kartensystem Google Maps und Google Earth, das Emailportal Gmail und das mobile Betriebssystem Android.

Das KGV im H&A Dynamik Plus liegt aktuell bei 21x, allerdings ist diese vermeintlich hohe Bewertung mit einem historischen Gewinnwachstum von fast 15% gekoppelt.  

Auf der Rentenseite kann auch im Niedrigzinsumfeld eine Rendite erwirtschaftet werden. Das Jahr 2020 wird erstmalig mit negativer Verzinsung in Deutschland starten. Dennoch kann durch die richtige Auswahl von globalen Emittenten und einer Laufzeitentscheidung ein Mehrertrag generiert werden. So präferieren wir eine eher längere Duration (vor allem durch Staatsanleihen), und bei den Corporates achten wir ähnlich wie bei den Aktien auf eine solide Marktstellung und gute Unternehmensführung.  Einen weiteren Ertrag sehen wir in der Auswahl von Fremdwährungsanleihen.

Machen wir es konkret: Welche Wertpapiere haben zu Ihrem Erfolg maßgeblich beigetragen und welche Titel sind derzeit noch hinter ihrem Potenzial?

In 2019 haben vor allem die beiden Rohstoffwerte Glencore (-20%) und Royal Dutch Shell (-7%) gekostet. Während Shell unter dem niedrigen Ölpreis litt, waren die Probleme bei Glencore vielfältig; Klagen um korruptive Praktiken in den USA und UK, Probleme mit den Kupferminen im Kongo und Sambia und fallende Kobalt- und Zinkpreise. Was uns an beiden Gesellschaften allerdings gefällt, ist die Bereitschaft Dividenden zu zahlen, die attraktive Free Cash Flow Generierung und das Exposure zu höheren Rohstoffpreisen, – die wir aufgrund der aktuellen Unterinvestitionen in Öl und Buntmetallen mittelfristig für wahrscheinlich halten.

Auf der anderen Seite konnten wir mit über 50% Wertsteigerung am französischen Luxusunternehmen LVMH profitieren. Höhere Einkommen und die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern fördern den Absatz vor allem der Louis Vuittons-Taschen. Fast 70% konnte der britische Börsenbetreiber LSE zulegen, nachdem das Unternehmen einerseits akquisitiv tätig war (Kauf von Refinitiv), andererseits sich gegen eine Übernahme durch die Hongkonger Börse gewehrt hat. Den höchsten Performancebeitrag lieferte allerdings das spanische Unternehmen Cellnex mit fast 100%. Cellnex betreibt Telekommunikationstürme in Europa und profitiert einerseits vom Ausbau des 5G-Netzes, andererseits dadurch, dass die aktuellen Eigner der Türme (Telekommunikationsunternehmen) als nicht-Kern-Geschäft sehen und aktuell verkaufen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, was wünschen Sie sich für 2020?

Zuerst will ich mich bei meinen Kollegen für das erfolgreiche Jahr bedanken. Wir hatten und haben einen regen Ideenaustausch und auch viele kritische Dialoge über Unternehmen, Assetklassen und Positionierungen. Für 2020 wünsche ich mir viele weitere konstruktive Gespräche, spannende Unternehmenszahlen und eine ähnliche Interaktion, damit wir nahtlos den begonnenen Weg weiter beschreiten.

Vielen Dank.

 

Stand: 12.12.2019

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